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Ein langer Unterbruch


25.05.2023-? Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage pausieren und wieder aufbrechen. Da ich aber noch Schmerzen in meinem Fuss verspürte und meine Intuition mir verriet, dass etwas überhaupt nicht stimmen konnte, begab ich mich nach ungefähr einer Woche erneut in das Krankenhaus von Hammerfest.

Dort teilte man mir mit, dass ich zuerst einen Termin bei einem Allgemeinmediziner machen müsste, so dass dieser mich wieder an's Spital überweisen konnte. Die Praxisassistentin schilderte mir, dass das Gesundheitssystem in Norwegen so funktionieren würde. Ich weigerte mich vehement dies zu akzeptieren und sagte ihr, dass ich kein Geld für etwas bezahlen werde, von dem ich bereits wusste, dass es sowieso nichts bringen würde. Glücklicherweise lief zufälligerweise die Orthopädin von letzter Woche bei ihrem Dienstantritt an mir vorbei. Sie fragte mich nach meinem Zustand und ich beschrieb ihr mein Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. Daraufhin "mobilisierte sie ihre Truppen" wie sie es formulierte und entführte den anwesenden Fusschirurgen aus seiner Abteilung, um sich meinen Fuss genauer anzuschauen. Er war zwar sichtlich genervt, aber folgte ihrer Bitte. Nach kurzer aber intensiver Untersuchung stellte er eine Peroneus-Sehnenspaltung fest. Dabei handelt es sich um eine sehr seltene Diagnose, die bei 40% der Betroffenen, nicht bei der ersten Konsultation bemerkt wird. Die Sehne hatte ohne erneutes Fusstrauma einen Riss erlitten, der ohne Operation lebenslänglich nicht mehr verheilen würde.


Ausserdem waren die langen Wartezeiten hier oben in Norwegen unerträglich, mindestens sechs Monate bis zu einem MRT, mindestens ein Jahr bis zur folgenden Operation.


Dann galt es noch zu berücksichtigen, dass es nach dem Eingriff ohnehin nochmals drei Monate für die Heilung der Sehne dauern würde und ich daraufhin drei Monate mit dem Wiederaufbau in Form von Physiotherapie verbringen musste.


Das wäre also alleine eine Wartezeit von mindestens 365 Tagen, eine Regenerationszeit von ungefähr 180 Tagen und anschliessend das weitere Pausieren von etwa 180 Tagen, da die klimatischen Bedingungen es nicht zulassen würden, Skandinavien alleine im Winter zu durchschreiten. Für mich fühlte es sich an, als hätte man mir den Boden unter den Füssen wegezogen und mir gleichzeitig den Himmel auf den Kopf geworfen.


Es brach eine Welt zusammen, alles wofür ich die gesamte Zeit gearbeitet hatte, schien umsonst gewesen zu sein. Die Ärztin nahm sich ganze zwei Stunden Zeit, um die aktuelle Situation mit mir zu besprechen, da sie nachvollziehen konnte, wie ich mich fühlen musste. Da die Chemie offensichtlich stimmte, unterhielten wir uns auch noch eine Weile über Sachen aus dem Privatleben und so durfte ich sie auch etwas persönlicher kennenlernen, als ich es sonst von Ärzten gewohnt war. Dies federte meine momentane Frustration zwar etwas ab, allerdings war ich immernoch von meiner Lage überwältigt, so dass ich meine Dankbarkeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Ausdruck bringen konnte.


Völlig niedergeschlagen wurde mir meine ganze Motivation von einem Moment auf den anderen geraubt. Auch wenn ich stark bin und schon vieles in meiner Kindheit, meiner Jugend und in meinem noch jungen Erwachsenalter verkraften musste, hatte ich tagelang mit meinem Schicksal zu kämpfen.


Ich verbrachte Stunden und Tage damit, darüber nachzudenken, was ich als Nächstes tun sollte.


Meine Persönlichkeit sagte mir immernoch, dass ich meinen Verstand abschalten sollte und nach wenigen Tagen weitermachen sollte. Nach reiflicher Überlegung, kam ich aber zum Entschluss, dass dies keine Lösung meines Problems darstellte.


Das Risiko es noch schlimmer zu machen oder dabei einsam und elendig in der Wildnis zu sterben, war zu gross geworden.


Da es ja ohnehin schon um eine Verletzung ging, die ohne Operation nicht mehr zu heilen war, hätte es sich dabei höchst wahrscheinlich um die dümmste Entscheidung meines Lebens gehandelt.


Ich suchte nach alternativen Lösungen. Dabei halfen mir auch viele Nachrichten von Freunden und Familie aus der Heimat.


Ich beschloss mich dazu, das Beste aus der Situation rauszuholen und meine Vernunft walten zu lassen.


Manchmal benötigt es mehr Stärke sein Schicksal zu akzeptieren, als seinen eigenen Stolz und Willen auf biegen und brechen durchzusetzen.


Ich war froh endlich wieder im Einklang mit mir selber zu sein und diesen Entschluss für mich getroffen zu haben.


Es war zwar sehr schwierig, aber ich dachte, dass es besser sein würde, mich ein Jahr zu gedulden, als weiterzumachen und mir selbst die Möglichkeit zu nehmen mein Ziel jemals umsetzen zu können.


Ich finde, es ist sehr wichtig mir diese Zeit zu nehmen und es mehr als langen Unterbruch wie als kompletten Abbruch zu betrachten.


Ich werde ohne Zweifel baldmöglichst zurückkehren und weitermachen, wo ich aufgehört hatte. Ich bin noch entschlossener und meine Seele hat mehr Hunger als jemals zuvor.


Es spielt keine Rolle wie oft man scheitert, das Wichtigste ist, dass man wieder aufsteht und niemals aufgibt, bis man seine Träume verwirklichen kann.


Mit diesem Gedanken, schliesse ich diesen Eintrag ab und werde euch sicherlich weiter auf dem Laufenden halten, wie es in naher Zukunft weitergehen wird.


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Ich bin dankbar für alles!








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